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21. Juni 2023

Medizinisches Cannabis und Multiple Sklerose


Was ist Multiple Sklerose?

Multiple Sklerose, auch MS oder disseminierte Enzephalomyelitis genannt, ist eine chronische, entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die das Gehirn, das Rückenmark und die Nervenbahnen umfasst. Sie beginnt meist im frühen Erwachsenenalter zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Die Erkrankung wird, aufgrund der unterschiedlichen Verlaufsformen und des teils sehr variablen Erscheinungsbildes, auch die "Krankheit der 1000 Gesichter" genannt. Ursächlich für eine Vielzahl an neurologischen Symptomen ist die sogenannte Demyelinisierung der Nervenfasern. Es kommt zu einer Zerstörung der Myelinscheiden, einer wichtigen Schutzhülle unserer Nervenfasern. Sie ist entscheidend für die ungestörte und schnelle Weiterleitung von Informationen zwischen unseren Nervenzellen (Neuronen).

Was sind die Ursachen einer MS?

Die genauen Ursachen der Multiplen Sklerose sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren, Umweltfaktoren und einer Autoimmunreaktion des Körpers eine Rolle spielt. Neuste Forschungen der letzten Jahre weisen außerdem darauf hin, dass eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) von Relevanz in der Entstehung und der Progression der Multiplen Sklerose sein könnte.

Wie häufig ist die MS?

In Deutschland sind derzeit schätzungsweise etwa 220.000 -250.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt. Weltweit geht man von circa 2,8 Millionen MS-Erkrankten aus (Stand 2020). Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer. Die genauen Ursachen hierfür sind bisher unbekannt. Darüber hinaus steigt die Erkrankungshäufigkeit mit der geographischen Entfernung zum Äquator.

Was sind die Symptome von Multipler Sklerose?

Häufig kommt es im Anfangsstadium der MS zu sogenannten Sensibilitätsstörungen (Empfindungsstörungen) wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen an Armen oder Beinen. Daneben zählen Sehstörungen wie einseitige Verschlechterung des Sehvermögens, Doppelbilder, Verschwommensehen oder schmerzhafte Augenbewegungen aufgrund einer Entzündung des Sehnervs (Optikusneuritis) zu den ersten Anzeichen einer MS-Erkrankung. Auch abnorme Müdigkeit und körperliche Erschöpfung (Fatigue) können erste Hinweise geben. Im Verlauf kann es zu Störungen der Muskelfunktion kommen im Sinne von Kraftlosigkeit, Lähmungserscheinungen oder (schmerzhafter) Muskelsteifigkeit (Spastik). Weitere Symptome umfassen Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Sprechstörungen sowie Blasen- und Mastdarmstörungen oder sexuelle Funktionsstörungen. Auch Stimmungsschwankungen und Depressionen können als Symptome einer multiplen Sklerose auftreten.
Multiple Sklerose zählt zu den Erkrankungen, bei denen medizinisches Cannabis weltweit am häufigsten eingesetzt wird.

Welche Behandlungsoptionen gibt es bei Multipler Sklerose?

Die Multiple Sklerose lässt sich bislang leider noch nicht heilen, aber gut behandeln.

Grundsätzlich muss man zwischen den folgenden drei Therapiesäulen unterscheiden: die Therapie des akuten Schubs, die verlaufsmodifizierende Therapie und die symptomorientierte Therapie.

Während eines akuten Schubs steht die Eindämmung und Behandlung der Entzündungsreaktion im Körper an erster Stelle, weshalb mit hochdosierten Kortikosteroiden behandelt wird. Bei einem schweren Schub, welcher nicht ausreichend auf die Kortisonbehandlung anspricht, kommt je nachdem auch eine sogenannte Blutwäsche (Plasmapherese) infrage. Ein Verfahren, dass einer stationären Behandlung bedarf und häufig in spezialisierten MS-Zentren stattfindet.

Die verlaufs- und krankheitsmodifizierende Therapie beinhaltet den Einsatz von Immunmodulatoren und Immunsuppressiva, sprich Medikamente, welche das Immunsystem der Betroffenen günstig beeinflussen und wieder ins Gleichgewicht bringen sollen.

Welches Medikament zum Einsatz kommt ist eine sehr individuelle Entscheidung und umfasst beispielsweise das Alter des Patienten, den Krankheitsverlauf oder die Verträglichkeit der Medikamente.

Letzte Säule der Therapie beinhaltet alle symptomatischen Behandlungsmöglichkeiten. Es zählen sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Therapien wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder psychologische Unterstützung dazu.

Ist medizinisches Cannabis eine Behandlungsoption bei Multipler Sklerose?

Ja! Multiple Sklerose zählt zu den Erkrankungen, bei denen medizinisches Cannabis weltweit am häufigsten eingesetzt wird.

Man geht inzwischen davon aus, dass Medizinal Cannabis helfen kann, Symptome der MS zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Die 3 wichtigsten Kernaussagen des im Jahr 2022 erschienen Cochrane Reviews (systematische Übersichtsarbeit) zum Einsatz von Cannabis und Cannabinoiden bei Menschen mit Multipler Sklerose sind:

Untersucht wurden insgesamt 25 Studien unterschiedlichen Umfangs, welche Cannabinoide mit Placebo bei erwachsenen MS-Patienten untersuchten. 13 Studien untersuchten den Einsatz von Nabiximol (Sativex), eine Pflanzenextrakt-Mischung aus den Blättern und Blüten der Hanfpflanze in Form eines Mund-Sprays.

Welche Nebenwirkungen können durch den Einsatz von medizinischem Cannabis auftreten?

Wie bei anderen Arzneimitteln kann es auch bei medizinischem Cannabis zu Nebenwirkungen kommen. Es kann beispielsweise zu Müdigkeit, Schwindel oder Mundtrockenheit kommen, um nur die häufigsten unerwünschten Arzneimittelwirkungen an der Stelle zu nennen.

Welche Dosierung und Verabreichungsformen von medizinischem Cannabis sind am besten geeignet, um meine Symptome zu lindern?

Welche Dosierung und Darreichungsform für Sie infrage kommt, hängt nicht nur von den Symptomen, dem Krankheitsverlauf und der individuellen Verträglichkeit ab, sondern auch von der persönlichen Situation und sollte stets in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt bzw. der behandelnden Ärztin entschieden werden. Zur Auswahl stehen Cannabisblüten, ölige Cannabisextrakte, ölige oder ethanolische Dronabinol-Tropfen und Sativex.

Welche Wechselwirkungen können mit anderen Medikamenten auftreten, die ich einnehme?

Es kann neben Nebenwirkungen auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Mögliche Arzneimittel mit vermehrtem Wechselwirkungspotenzial sind Antiepileptika, Blutdrucksenker, Antidepressiva, Antipsychotika, Beruhigungsmittel, Immunsuppressiva und Schmerzmittel. Es ist folglich wichtig, dass Sie Ihren Arzt über alle Medikamente informieren, die Sie einnehmen, bevor Sie medizinisches Cannabis anwenden.

Wer stellt mit mir einen Antrag auf Kostenübernahme der Cannabinoid-Therapie bei der gesetzlichen Krankenkasse?

Der Antrag auf Kostenübernahme der Cannabinoid-Therapie bei der gesetzlichen Krankenkasse muss von einem Vertragsarzt (Kassenzulassung) gestellt werden.

Eine Kostenübernahme einer privatärztlichen Behandlung kann entsprechend mit einem Privatarzt über die private Krankenversicherung gestellt werden.

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