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26. Mai 2023

Macht medizinisches Cannabis abhängig?


Welche Droge wird weltweit am häufigsten konsumiert?

Cannabis ist nach Alkohol und Nikotin das am weitesten verbreitete Suchtmittel weltweit.

Welche illegale Droge wird in Deutschland am häufigsten konsumiert?

Unter den illegalen Suchtmitteln ist Cannabis die am häufigsten konsumierte Droge in Deutschland. Laut aktuellen Statistiken konsumierten 8,8% der Menschen in Deutschland in den letzten 12 Monaten Cannabis. Darunter 10,7% der Männer und 6,8% der Frauen. Seltener konsumiert werden Ecstasy, Kokain, Crystal Meth oder Heroin. (https://specials.gesund.bund.de/drogenkonsum/cannabis.html)

Welche Folgen können Drogen haben?

Drogenmissbrauch kann zu körperlichen und psychischen Folgeerkrankungen führen. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberschäden, Krampfanfälle, Psychosen und Angstzustände, Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen und Depressionen. Im schlimmsten Fall kann es zu Atemversagen und Koma führen oder gar tödlich enden.

Hinzu kommen häufig soziale Konsequenzen wie der Verlust von Freundschaften und Beziehungen, finanzielle Probleme durch Arbeitslosigkeit oder Schulden. Ferner resultiert ein chronischer Drogenmissbrauch nicht selten in delinquentem Verhalten und Beschaffungskriminalität.

Welche Faktoren begünstigen die Entstehung von Sucht?

Ob sich eine Abhängigkeit entwickelt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen von der konsumierten Droge selbst und zum anderen von persönlichen oder beispielsweise sozialen Faktoren. Negative Prädiktoren sind das männliche Geschlecht, ein Konsumbeginn in jungen Jahren, traumatische Kindheitserlebnisse und soziale Minderheiten.

Wie gefährlich ist Cannabis im Vergleich zu Alkohol, Nikotin und anderen Suchtmitteln?

Laut der deutschen Suchthilfestatistik aus dem Jahr 2021 lag das Einstiegsalter für den Konsum von Cannabis, ähnlich wie bei Alkohol, bei durchschnittlich 15-16 Jahren. Den Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zu Folge konsumieren in Deutschland 7,9 Millionen Menschen im Alter von 18 bis 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Bei etwa 9 Millionen Personen in dieser Altersgruppe ist der Alkoholkonsum als deutlich problematisch einzustufen (ESA 2021).

Betrachtet man außerdem aktuelle Analysen gehen jährlich etwa 74.000 Todesfällen auf den Konsum von Alkohol allein oder den Konsum von Tabak und Alkohol zurück. Im Vergleich dazu stehen 1826 Todesfälle durch illegale Drogen, davon wurden wiederum 2 Todesfälle durch Vergiftungen in Verbindung mit synthetischem Cannabis registriert.

Unbestreitbar ist, dass Cannabis bzw. Marihuana ein dosisabhängiges Suchtrisiko birgt. Das Risiko steigt mit der Häufigkeit des Konsums. Etwa 30% der Cannabiskonsumenten entwickeln bei regelmäßigem Konsum, einmal oder mehrmals pro Woche, eine Abhängigkeit. Vergleicht man das Suchtpotenzial von Cannabis mit anderen Suchtmitteln, so ist es insgesamt gering und betrifft vor allem den inhalativen Konsum, da nur bei der Inhalation schnell Dopamin freigesetzt wird und der "Suchtmotor" aktiviert wird.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass das Suchtpotenzial von Cannabis unter demjenigen von sogenannten schwachen Opioiden wie Tilidin oder Tramadol liegt. Alkohol und Nikotin haben im Gegensatz dazu ein weitaus größeres Suchtpotenzial, sind ebenfalls psychoaktiv und können zu Abhängigkeit und Folgeerkrankungen führen. Allerdings sind diese in Deutschland legal erhältlich und konsumierbar.

Wann spricht man von Sucht?

Von einer Abhängigkeit spricht man, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien im Verlauf eines Jahres vorliegen: Werden weniger als drei Kriterien erfüllt, aber es sind bereits negative Folgen des Konsums sichtbar, spricht man von einem schädlichen Gebrauch.

Gibt es einen Unterschied zwischen THC und CBD beim Thema Sucht?

Es ist selbstverständlich wichtig, zwischen THC und CBD zu unterscheiden, da CBD keine psychoaktiven Eigenschaften aufweist. Bisher gibt es keine Studien, die auf eine Toleranzentwicklung und damit verbunden ein Suchtpotenzial bei CBD hindeuten. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass CBD die Aktivierung von D2-Rezeptoren blockiert, die eine wichtige Rolle bei der Suchtentwicklung spielen.

Tierexperimentellen Studien zeigten bereits ein verringertes Verlangen nach Alkohol, Cannabis, Opiaten und Stimulanzien. Etwas weiter ist die Forschung im Bereich Nikotin und CBD. In einer Doppelblindstudie aus dem Jahre 2013 konnte man einen geringeren Tabakkonsum bei gleichzeitiger Einnahme von CBD gegenüber der Placebogruppe belegen. Eine anerkannte Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass Heroinabhängige von CBD profitieren, indem das Verlangen, das sogenannte "Craving", weniger wurde.

Craving
Unter diesem Begriff versteht man das intensive Verlangen oder eine intensive Begierde. In der Wissenschaft wird dieses Wort verwendet, um die Verhaltensweise bei Suchtkranken nach einer bestimmten Substanzwirkung zu beschreiben.

Was sagen aktuelle Studien zum Thema THC und Suchtentstehung?

Laboruntersuchungen konnten eindeutig nachweisen, dass THC bei wiederholter Stimulation der CB1-Rezeptoren zu einer Toleranzentwicklung führen kann. Dies gilt jedoch nur für die psychotropen Effekte und nicht für die kardialen Wirkungen, und zwar unter klinischen Bedingungen bei Patienten. Es besteht einerseits also ein gewisses Risiko der Gewöhnung und damit verbundener Dosissteigerung, andererseits könnten bei Abhängigkeit Entzugssymptome auftreten.

Eine Langzeitstudie von 2017 an chronischen Schmerzpatienten zeigte, dass langfristig stabile Dosierungen ohne Wirkungsverlust beibehalten werden konnten. Forschungen aus dem Jahr 2022 ergaben einen nicht signifikanten Trend einer mäßigen Dosissteigerung über einen Zeitraum von drei Jahren bei Männern- nicht bei Frauen. Ebenfalls interessant ist eine Studie von 2019, welche einen die Toleranzentwicklung von Opioiden reduzierenden Effekt bei gleichzeitiger Therapie mit THC-haltigen Cannabis abbildete. Einfach gesagt konnten Dosierungen von Opioiden bei gleichzeitiger medizinischer Cannabinoid Therapie reduziert werden.

Abschließend erneut die Frage: Macht medizinisches Cannabis abhängig, oder nicht?

Aus dem Vorangehenden lässt sich unschwer erkennen, dass es mit dem jetzigen Kenntnisstand keine eindeutige Antwort auf diese Frage gibt.

Cannabiskonsum birgt, wie bereits erwähnt, ein dosisabhängiges Suchtpotenzial.

Das Risiko einer Abhängigkeitserkrankung ist beim medizinischen Einsatz im Rahmen einer ärztlich begleiteten Cannabinoid Therapie jedoch allenfalls als gering einzustufen. So konnten Beobachtungen von erfahrenen Schmerztherapeuten und Neurologen bisher kaum Suchtverhalten bei Ihren PatientInnen feststellen. Dies mag an mehreren Faktoren liegen, allen voran der kontinuierlichen medizinischen Betreuung und damit verbundenen Überwachung möglicher Risikofaktoren bei der Entstehung einer Suchterkrankung. Darüber hinaus lassen sich Absetzphänomene und Entzugssymptome durch langsames Absetzen und Ausschleichen reduzieren oder vermeiden.

Weitere Informationen zum Thema Cannabis und Sucht finden Sie u.a. auf www.cannabispraevention.de. Bei der Suche nach Suchtberatungsstellen in Ihrer Region kann die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. behilflich sein. https://www.dhs.de/service/suchthilfeverzeichnis

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